Pro Märchenland --- Wahlsburger Bürger informieren

 

Appell an Vernunft und Augenmaß

 

 

 

            

                

         

 

 Appell als PDF zum Download (mit der Bitte ihn an Freunde, Bekannte etc. weiterzuleiten)

Es geht im Zeichen der Energiewende um den Ausbau der Windenergie und die daraus resultierenden gravierenden Schäden für unser Landschaftsbild, den Wald und zahlreiche Tierarten. Die hessische Landschaft und weit mehr stehen auf dem Spiel!

Hessen wird vom Reinhardswald bis zum Odenwald, von der Rhön bis zum Rothaargebirge von überdurchschnittlich reizvollen Mittelgebirgen geprägt, ein kostbarer Schatz in Ihrer Obhut für die Lebenschancen zukünftiger Generationen.

Der kulturelle und emotionale Wert dieser Landschaften steckt tief im Wohlbefinden der hessischen Bürger, ist ein Merkmal der Standortqualität und Kernelement der regionalen Wertschöpfung im Zeichen eines leistungsfähigen, naturbezogenen Tourismus´. Die Märchenwelt der Brüder Grimm ist zwischen riesigen Windrädern nicht vorstellbar.

Die an windhöffigen Mittelgebirgslagen geplanten bzw. bereits aus dem Boden sprießenden neuen Windenergieanlagen haben deren Problematik aus dem Raum der Planungen in die Realität des kritischen Bürgerbewusstseins gebracht. Besonders im Vogelsberg ist bereits zu erkennen, wohin der Weg führen wird und was die hessischen Bürger und die folgenden Generationen zu erwarten haben.

Die hessische Mittelgebirgslandschaft wird ein für alle Mal zerstört werden.

Hessen bedeutet auch Wald. Landschaftsprägend, ökologisch und ökonomisch wertvoll ist der Wald mehr als die Summe seiner Bäume. Drei Viertel des hessischen Waldes befinden sich im Eigentum des Landes und der Kommunen, sind also Bürgerwald. Was in diesem Wald geschieht, geht alle Hessen etwas an und in besonderer Weise die, die in den betroffenen Landstrichen wohnen. Insbesondere liegt es aber in der Verantwortung ihrer gewählten legislativen und exekutiven Entscheidungsträger.

Wald ist ein kompliziertes wie sensibles Ökosystem, das in all seinen Besonderheiten zur Entfaltung aller möglichen positiven Wirkungen fachkundige und langfristig angelegte Behandlungsstrategien verlangt. Das ist gesetzmäßig geregelt und unter dem Prinzip der Nachhaltigkeit enkelgerecht ausgerichtet. Der Bau von 200 Meter hohen Windenergieanlagen mit massivsten Gründungsmaßnahmen, der Anlage von panzertauglichen Wegesystemen und den unumgänglichen Kahlschlägen zerstört das Ökosystem Wald großflächig. Ein Windradcluster im Wald kann es nicht geben. Die Grünkulissen um die Windräder sind kein Wald mehr. Es ist eine optische Täuschung mit fatalen Folgen.

Wald ist Lebensraum. Unabhängig von den persönlichen Empfindungen beim Kranichzug, beim Beobachten der Rotmilane, bei einer Zufallsbegegnung mit dem Schwarzstorch oder dem nächtlichen Einstieg in die Welt der Fledermäuse gibt es ein Bündel internationaler und nationaler Vorschriften zum Schutz der Biodiversität, die keinen Spielraum bei der Planung und Realisierung von Windenergieinvestitionen zulassen, wenn man bereit ist, Belange von Naturschutz und Ethik zu respektieren.

Um was geht es uns konkret?

Wir alle sind für die Energiewende, für den Ausstieg aus der Atomkraft. Aber nicht um jeden Preis. Keineswegs können wir jede noch so fragwürdige Alternative automatisch billigen.

Statt einer Abkanzelung mit Totschlagargumenten setzen wir auf eine sachliche Diskussion, ein Vorgehen mit Augenmaß und Besonnenheit.

Wieviel Windenergie benötigen wir tatsächlich?

Vieles ist da ungeklärt: Wie wird diese Energie transportiert bzw. gespeichert, welche Möglichkeiten werden genutzt, um eine effiziente Regionalversorgung mit allen alternativen Energiemengen zu bewerkstelligen?

Müssen wirklich erzeugte überschüssige Mengen alternativer Energien im Ausland verramscht und anschließend dann Grundlastmengen teuer eingekauft werden?

Sollte nicht vor einer hemmungslosen „Verspargelung“ der Landschaft ein Speicherungskonzept entwickelt werden?

In den für Nord-, Mittel- und Südhessen zutreffenden Regionalplänen sollten alle Planun-gen/Investitionen von Windkraftanlagen im Staats-, Kommunal- und Privatwald strombedarfs- und umweltgerecht koordiniert werden.

Wir verlangen ein schrittweises Vorgehen unter Beachtung des technischen Fortschritts und der Verarbeitung neuer Erfahrungstatbestände.

Analog zu den vier Arbeitsgruppen des „Hessischen Energiegipfels“: Energiemix, Energieffizienz, Energieinfrastruktur und gesellschaftliche Akzeptanz verlangen wir, dass der Zustand der Artenvielfalt in den besonders betroffenen Gebieten ergebnisoffen gründlich erhoben und bewertet wird. In den als Grundlage vorliegenden Gutachten zur Avifauna und zu den Fledermäusen wird eindeutig festgestellt, dass diese Gutachten für eine detaillierte Bewertung einzelner Suchräume nicht ausreichen. Das Gutachten zur Windhöffigkeit argumentiert ähnlich und ist eigentlich wegen der unzureichenden Datengrundlage unbrauchbar.
Das ist auch unsere Meinung.

Deshalb fordern wir, dass insbesondere für die Naturräume Kaufunger Wald und Reinhardswald fundierte Erhebungen in Auftrag gegeben werden, denen man ohne Einschränkungen das Prädikat „Gutachten“ anheften darf. Bei den unglaublich hohen Investitionssummen und dem extrem hohen Wert von Landschaft und Artenvielfalt gibt es zu dieser Forderung keine Alternative. Soviel Geld muss da sein und soviel Zeit muss auch zur Verfügung stehen.

Lassen Sie uns zum Schluss ohne Zusammenhang mit den anderen Suchräumen im Bereich des Landkreises Kassel eine Minimalforderung formulieren:

Halten Sie das weithin sichtbare Landschaftsprofil des Kaufunger Waldes und des Rein-hardswaldes frei von Windrädern! Sorgen Sie dafür, dass die in Deutschland praktisch unvergleichliche Flusslandschaft der Oberweser zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen nicht von Windrädern zerstört wird!

Unsere Türen stehen Ihnen auf, wir sind gesprächsbereit, wir setzen auf Sie und vertrauen auf eine verantwortungsbewusste Wahrnehmung der Mandate und dienstlichen Verpflichtungen.

Gezeichnet:
AG WEA Ahlbershausen, Bernd Schmiedel, Uslar-Ahlbershausen
AG Wind+Salz in der Initiative für Bodenfelde, Annette Müller-Zitzke, Bodenfelde
Aktionsbündnis Märchenland, Björn Zackenfels, Wahlsburg-Lippoldsberg
Bürgerinitiative Immenhausen-Mariendorf, Klaus Roderburg, Immenhausen-Mariendorf
Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald e. V., Gabriele Niehaus-Übel, Hann. Münden-Bursfelde
Bürgerinitiative Pro Fürstenhagen, Günther Schlieper, Uslar-Fürstenhagen
Bürgerinitative Pro Hirschberg und Kaufunger Wald, Dr. Detlef Ahlborn, Großalmerode
Bürgerinitiative Pro Reinhardswald, Rüdiger Menke, Trendelburg-Gottsbüren
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz Arbeitskreis Kassel, Harald Haag, Kassel
Initiative für Gieselwerder, Klaus Becker, Oberweser-Gieselwerder
Initiative Lebenswertes Helsa, Wolfgang Köster, Helsa
NABU Altkreis Hofgeismar e. V., Hans-Jürgen Schwabe, Hofgeismar-Schöneberg
NABU Gruppe Stadt Kassel, Norbert Eichel, Kassel
NABU Kreisverband Kassel Stadt und Land e. V., Manfred Henkel, Lohfelden
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kassel-Land, Bernhard Klug, Trendelburg
Verein Pro Märchenland e. V., Oliver Penner, Wahlsburg-Lippoldsberg

Zum Schluss eine Berechnung von Herrn Dr.-Ing. Detlef Ahlborn aus Großalmerode:

Unser Umweltministerium will 28 TWh Windstrom in Hessen erzeugen. 28 TWh sind umge-rechnet 28.000 GWh bzw. 28.000.000 MWh. Ein 200 Meter hohes 3MW Windrad produziert bei den im Regionalplan zugrundegelegten Volllaststundenzahl von 2.000h eine Strommenge von 3MW x 2.000h = 6.000 MWh. Dividiert man diese beiden Zahlen, kommt man auf rund 4.700 Windräder. Diese Zahl ist offensichtlich erforderlich, wenn man diese Pläne umsetzen wollte. Ordnet man diese Windräder in Windparks zu je 10 Windrädern an, kommt man auf 470 Windparks in Hessen. Verteilt man diese Windparks gleichmäßig über unser Bundesland (Fläche 22.000 Quadratkilometer), so steht für einen Windpark eine Fläche von 46 Quadratki-lometer, das ist ein Quadrat mit einer Kantenlänge von rund 7 Kilometer. Insgesamt bedeutet das, dass unser Land mit Windparks übersäht ist, bei dem der mittlere Abstand von einem Windpark zum nächsten 7 Kilometer beträgt.

Alle diese Windräder liefern keinen Strom, wenn der Wind nicht weht. Insbesondere können sich die Windräder auf einem Land von der Größe Hessens nicht gegenseitig ergänzen, weil normale Tiefdruckgebiete in der Regel größer sind als unser Bundesland. Würde man die in der Diskussion befindliche Speicherung überschüssigen Stroms als Methangas umsetzen, gin-gen bei dieser Speicherung rund 50 Prozent der ursprünglichen Erträge als Verluste verloren. Das hat eine Verdoppelung der erforderlichen Zahl an Windrädern zur Folge. Der Abstand von einem Windpark zum nächsten beträgt dann 5,7 Kilometer. Diese Ziele sind aus Sicht der Unterzeichner de facto in Hessen nicht umsetzbar. Sie werden am Widerstand der Bürger scheitern.

12. Januar 2014
V.i.S.d.PG: Hermann-Josef Rapp, Reinhardshagen, Tel. 05544-1011

 

 

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